„Ich schaff das schon.“
Ist das dein Mantra am morgen, noch bevor dein Kaffee richtig durchgelaufen ist?
“Ich schaff das schon.”
Der Tag wartet schließlich nicht darauf, dass du dich erst einmal sortierst. Also ziehst du dich an, beantwortest die erste Nachricht, packst deine Sachen zusammen und gehst los. Im Auto fällt dir ein, dass du noch einkaufen musst. Später ruft jemand an und braucht etwas von dir. Du hörst zu, suchst nach den richtigen Worten und sagst am Ende: „Klar, mach ich.“
Eigentlich machst du das schon ziemlich lange so.
Du bist erstaunlich gut darin geworden, den Alltag weiterlaufen zu lassen. Du weißt, was wann erledigt werden muss, hältst Termine ein, denkst an Geburtstage, bezahlst Rechnungen und merkst sogar, wenn im Kühlschrank die Milch fehlt.
Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, sagst du meistens: „Passt schon.“
Und im Grunde stimmt das sogar. Du bekommst dein Leben ja hin.
Bis zu diesem einen Moment.
Du sitzt abends im Auto vor deiner Haustür und steigst nicht gleich aus. Die Einkaufstasche liegt auf dem Beifahrersitz, im Haus wartet schon das Nächste auf dich – aber für ein paar Minuten bleibst du einfach sitzen.
Und plötzlich ist da dieser Gedanke:
Wann ist mein Leben eigentlich zu etwas geworden, das ich hauptsächlich erledige?
Du denkst an früher. Nicht unbedingt sehnsüchtig.
Und auch nicht, weil damals alles besser gewesen wäre.
Aber du erinnerst dich daran, wie selbstverständlich manches einmal war. Wie selbstverständlich auch du selbst dir einmal warst.
Und während du all die Jahre weitergemacht hast, hat sich dein Leben verändert.
Und du mit ihm.
Nur hast du dir dafür kaum Zeit genommen.
Vielleicht bemerkst du erst jetzt, dass dir nicht nur Vertrautes fehlt.
Sondern auch etwas von dem ICH, das zu diesem früheren Leben gehört hat.
Nicht dramatisch.
Nicht von heute auf morgen.
Eher leise..
Und möglicherweise ist genau das eine Form von Trauer, für die wir kaum Worte haben:
die Trauer um eine Version von uns selbst, die einmal ganz selbstverständlich zu unserem Leben gehörte.
Am nächsten Morgen wirst du wahrscheinlich trotzdem wieder aufstehen.
Und vermutlich wirst du vieles auch weiterhin schaffen.
Aber vielleicht verändert sich die Frage.
Nicht mehr nur:
Wie schaffe ich das alles?
Sondern:
Wer bin ich heute – nachdem sich so vieles verändert hat?
Anette
LebensBegleiterin in Zeiten von
Abschied • Verlust Veränderung und Neuorientierung
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