Traurig sein dürfen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen

„Entschuldige, jetzt muss ich schon wieder weinen.“

Dieser Satz beschäftigt mich.
Da erzählt jemand von etwas, das wehtut, und entschuldigt sich im selben Atemzug für die Tränen. Greift nach einem Taschentuch, versucht zu lächeln und sagt: „Ist schon gut.“

Ich möchte dann wissen:
Ist es wirklich gerade gut?
Oder möchtest du vor allem, dass sich dein Gegenüber keine Umstände machen muss?

Muss es denn einen ausreichenden Grund geben?

Bei manchen Ereignissen scheint klar zu sein, dass wir traurig sind. Unser Umfeld fragt nach, nimmt Anteil, hat Verständnis. Doch irgendwann kommt der Moment, in dem wir merken: Die anderen rechnen damit, dass es inzwischen besser geworden ist.

Also erklären wir, warum ein bestimmter Tag schwierig war.
Warum uns ein Lied berührt hat.
Warum wir eine Einladung abgesagt haben.
Als müssten wir nachweisen, dass unsere Traurigkeit noch berechtigt ist.

Noch schwieriger wird es, wenn andere gar keinen Verlust erkennen.

Du hast die Trennung selbst gewollt.
Die Kinder führen ein eigenständiges Leben.
Der berufliche Wechsel war eine vernünftige Entscheidung.
Weshalb bist du dann traurig?

Weil auch eine Entscheidung, hinter der du stehst, einen Abschied bedeuten kann. Du kannst wissen, weshalb du gegangen bist, und trotzdem vermissen, was einmal zwischen euch war. Du kannst dich für deine Kinder freuen und am Abend vor einem leeren Zimmer stehen, in dem über Jahre das Licht brannte.

Das eine hebt das andere nicht auf.

Die eigene Traurigkeit beurteilen

Es sind auch die eigenen Sätze, die es schwer machen.

„Andere haben viel Schlimmeres erlebt.“
„Ich habe doch so viel.“
„Langsam müsste es wirklich mal reichen.“

Wie soll man sich selbst verstehen, wenn man das eigene Empfinden sofort zurechtweist?

Dankbarkeit beantwortet nicht jede Sehnsucht. Und das Wissen um das Leid anderer erklärt noch nicht, wie wir mit unserem eigenen leben können.

Du musst auch nicht bei jeder Nachfrage deine Geschichte erzählen. Ein „Heute geht es mir nicht gut, und ich möchte gerade nicht darüber sprechen“ ist eine vollständige Antwort.

Was ich mir im Umgang miteinander wünsche

Wenn jemand neben mir weint, möchte ich nicht, dass dieser Mensch auch noch dafür sorgen muss, dass mir die Situation angenehm ist.

Ich kann zuhören. Nachfragen, ob Gesellschaft gerade guttut.
Ich kann es aushalten, wenn mir kein hilfreicher Satz einfällt.

Und ich wünsche mir, dass wir selbst ebenso ehrlich sein können. Dass wir auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten können, ohne vorher abzuwägen, wie viel Traurigkeit für die anderen zumutbar ist.

Wir werden nicht bei jedem Menschen dieses Verständnis finden. Umso wertvoller sind diejenigen, bei denen wir uns mitten im Erzählen nicht korrigieren müssen.

Bei wem kannst du traurig sein, ohne dich dafür rechtfertigen zu müssen?

Herzlichst
Anette

Anette Heimsch

LEBENimWANDEL_ATELIER
Anette Heimsch – LebensBegleiterin bei Abschied · Verlust · Veränderung und Neuorientierung

Manchmal verändert sich das Leben so sehr, dass nicht nur der Alltag ein anderer wird, sondern auch die Frage entsteht:

„Wer bin ich heute?“

An solchen Wendepunkten begleite ich Menschen – nach einem Abschied oder Verlust, mitten in einer tiefgreifenden Veränderung und bei der Frage, wie das eigene Leben von hier aus weitergehen kann.

Meine Arbeit findet vor allem im persönlichen Gespräch statt. Ich höre zu, frage nach, spreche an, was mir auffällt, und nehme mit dir gemeinsam in den Blick, was sich in deinem Leben, deinen Beziehungen und deinem Bild von dir selbst verändert hat.

Ich arbeite traumasensibel, ohne starre Konzepte und ohne die Erwartung, dass Veränderung geradlinig verlaufen müsste.

Je nach Anliegen können auch Schreiben, Atem, Bewegung oder EMDR-orientierte Elemente Teil der Begleitung sein.

Die Gespräche finden online oder in meinem LEBENimWANDEL_ATELIER in Waiblingen statt.

Anette Heimsch

https://amlebensfluss.de
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Was unsere Kindheit heute noch beeinflussen kann.